Sektkorken knallen lassen für Schwester Laudeberta


Bei der feierlichen Einweihung des Schwester-Laudeberta-Weges organisierte der Vorstand der Ernst Kirchner Stiftung den Sektempfang. Die Clemensschwester Laudeberta (1887 bis 1971) leistete im Nationalsozialismus Widerstand gegen das sogenannte Euthanasieprogramm. Dieses sah die systematische Tötung von behinderten und kranken Menschen vor. Die Ordensfrau, die als Johanna von Hal im niederländischen Groenlo geboren wurde und 1910 in den Orden der Barmherzigen Schwestern in Münster eintrat, war Stationsleiterin in der westfälischen Provinzialheilanstalt Marienthal, der heutigen LWL-Klinik Münster. Als solche erhielt sie Informationen über die vom NS-Regime geplanten Deportationen. Diese gab sie unter hohem persönlichen Risiko–denn sie stand unter Beobachtung eines Spitzels–heimlich an den damaligen Bischof Clemens August Graf von Galen weiter. In der Folge hielt von Galen am 3. August 1941 seine berühmte Predigt gegen das „Euthanasie“-Programm. Die Machthaber stoppten daraufhin die Aktion. Auch Angehörige sprach Schwester Laudeberta an und riet ihnen, ihre Patienten nach Hause zu holen. Auf diesen mutigen und menschlichen Einsatz machten im vergangenen Jahr elf Unterzeichnerinnen und Unterzeichner aus der katholischen Kirche, dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), der Ernst Kirchner Stiftung, der Geschichtswissenschaft und der Stadtgesellschaft aufmerksam. Jetzt ist der Münsteraner Aa-Uferweg zwischen Spiegelturm und Petrikirche nach Schwester Laudeberta van Hal benannt worden. Am 5. Juli 2022 segnete Bischof Dr. Felix Genn das entsprechende Schild im Beisein vieler Gäste. Für den LWL sagte dessen Direktor Dr. Georg Lunemann, Schwester Laudebertas Handeln sei ein Beispiel dafür, „Werte zu vertreten und danach zu handeln“. Dabei sei es ihr um Werte gegangen, die zeitlos und so auch heute noch gültig seien. Bischof Genn betonte die Wichtigkeit, das Andenken an die Ordensfrau wachzuhalten. Als „einfache Schwester“ ohne besonderes Amt habe sie es in damaliger Zeit gewagt, zum Bischof zu gehen, der Gestapo Zugang zu verwehren und als gebürtige Niederländerin im Dienst an deutschen Kranken zu bleiben, obwohl die Deutschen damals die Niederlande besetzt hatten. Ihre Zivilcourage und ihr Mut seien beispielgebend nicht nur für Christinnen und Christen, sondern für alle Bürgerinnen und Bürger, gegen Spaltung in der Gesellschaft vorzugehen. „Jeder kann etwas tun, damit Gesellschaft zusammenhält“, schlug Genn einen Bogen von Schwester Laudeberta in die Gegenwart.Die Enthüllung des neuen Straßenschildes, bei der auch viele Clemensschwestern anwesend waren, übernahm mit Johannes Balthesen ein Großneffe der 1971 im Alter von 84 Jahren verstorbenen Ordensfrau. Er schilderte seine Erinnerungen an „Tante Johanna“. Sie habe ihn ermahnt, sich immer gesellschaftlich zu engagieren. Ebenso habe sie ihm mit auf den Weg gegeben, dass es immer Menschen mit menschen- feindlichem Gedankengut geben werde, dem man entgegentreten müsse.